Untersberg. 20 Ansichten 2018

Untersberg. Zwanzig Ansichten. 2018

 

Erstpräsentation: Vernissage Galerie Welz, 11.8.2018

Auf dem Weg nach Salzburg begrüßt einen der Untersberg mit seiner mächtigen Kontur – egal aus welcher Richtung man sich ihm nähert.

Die Voralpenlandschaft, so wie sie sich heute vom Gipfel des Untersberges aus vor dem Betrachter ausbreitet, wurde   vor 20.000 Jahren durch die jüngste Eiszeit geformt. Als dann der an die 1000 Meter starke Salzachgletscher schmolz, füllte er den Salzburger See, der von Golling bis Oberndorf reichte. Das mittransportierte Gesteinsmaterial verblieb als Grundmoräne, bis heute ragen die Spitzen nicht abgeschliffener oder zerbrochener Gesteinsdecken in die Höhe.

Mächtig türmt sich das Massiv des Untersbergs vom Voralpenland her gesehen auf: Im Norden vom Oberndorfer Salzachknie aus, vom Buchberg bei Mattsee im Westen. Vom Süden, aus dem Salzachtal bei Vigaun oder aus dem benachbarten Berchtesgaden, zeigt es sein anderes Gesicht.

Nicht minder imposant erweist es sich im Weichbild der Stadt: Etwa von der Peripherie der Stadteinfahrten aus, wenn  sich der Berg aus der Enge der Straßenschluchten und Kreuzungen – wie in Lehen – plötzlich ins Blickfeld schiebt. Auf der schnurgeraden Moosstraße fährt man direkt auf ihn zu. Von Maria Plain aus thront er sagenhaft  hinter der Stadt. Eine Erhebung wie die Lieferinger Friedhofsterrasse gewährt Ausblick auf seine markante Gestalt. Von Hochhäusern oder Lofts schweift der Blick über seine Silhouette. Vom benachbarten Gaisberg und aus der Luft behauptet sich sein zerklüfteter Stock als Vorposten im Panorama der nördlichen Kalkalpen.

Der Untersberg dominiert seit 200 Jahren den Reigen der Ansichten, die Künstler aus nah und fern fasziniert haben. Sie leisteten seit der Romantik ihren Beitrag, ihr Lob auf die Stadt, die in diese Weltlandschaftskulisse eingebettet ist, in die Welt hinaus zu tragen. In diesem Zusammenhang sind mir als Druckgrafiker die Farbholzschnitte von Katsushika Hokusai (1760-1849) und seine Ansichten des Fuji in den Sinn gekommen. Die 20 Ansichten vom         Untersberg wurden durch sie angeregt.

Ganz bewusst entschied ich mich nicht für die geläufigen „Postkartenansichten“, sondern wählte Blickwinkel aus   meinen persönlichen Routen zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto. 2013 begann ich auf meinen alltäglichen Wegen mit Schnappschüssen und Skizzen vom Untersberg, bis ich mich dann für diese Auswahl entschieden habe.

Es sind Orte, an denen ich mich gerne aufhalte, aber auch Blickwinkel, auf die ich unvermutet gestoßen bin. Dabei ist mir im Lauf der Auseinandersetzung immer mehr bewusst geworden, wie sehr auch Wetter und Jahreszeiten sein Erscheinungsbild und seine Ausstrahlung beeinflussen. Der Untersberg hat viele Gesichter und zeigt ein ungemein feinsinniges Farbenspiel, bei dem Wolken und Himmelsstimmungen besondere Akzente setzen.

Der Berg wird zur Metapher für existenzielle Befindlichkeiten – so wie man in menschlichen Beziehungen immer    wieder auf Überraschungen, Sehnsüchte, Abgründe stößt und neue Facetten entdeckt.

Menschen wie Berge haben ihre ganz besonderen Seiten. Diese wahrzunehmen, kann eine Aufgabe fürs Leben sein. Auch bei den Linolschnitten stehen verschiedene Standpunkte und unterschiedliche (Grund-) Stimmungen gleichberechtigt nebeneinander. Deshalb gibt es von jedem Motiv Farbvarianten, alle Drucke sind Unikate, jeweils mit drei bis fünf Farben. Die Auflage beträgt elf Exemplare.

Für diese Erkundungsreise bietet der verlorene Schnitt ideale Voraussetzungen. Ich liebe diesen Arbeitsprozess des Weiterschneidens auf derselben Platte, weil das Ergebnis bis zum Ende offen bleibt. Spontan reagiere ich dabei auf Zustände und Zufälle, die sich beim Druck ergeben. Neben den traditionellen Schnittwerkzeugen setze ich auch      ungewöhnliche Methoden zur Bearbeitung des Linols ein, brenne, bürste und kratze.  Das Experimentieren mit      unterschiedlichen Farbaufträgen macht das Arbeiten besonders spannend, gilt es doch, bei jedem Druck den nächsten Farbton individuell auf die vorhandenen Zustände abzustimmen. Auf diese Weise wird der Druckvorgang zu einem        intuitiv aus der Erfahrung gesteuerten, meditativen  Prozess.

Alle 20 Motive entstanden in vier Monaten, gewissermaßen in einem langen Atemzug.

So entwickelte sich das Projekt hinsichtlich Vielfalt und Variation zu einer Herausforderung, durchaus vergleichbar den Anstrengungen die man auf sich nimmt, wenn man den Untersberg besteigt, dafür aber mit einer wunderbaren Aussicht belohnt wird.

Salzburg, Juli 2018

  1. Blick von Oberndorf, Salzachknie (47.9447489,12.9369821)
  2. Blick vom Höglwörther See (47.8142722,12.8414485)
  3. Blick vom Buchberg bei Mattsee (47.9523325,13.1120820)
  4. Blick vom Gaisberg (47.8034166,13.1104033)
  5. Blick aus dem Flugzeug im Anflug über Liefering auf den Flughafen (ca. 47.8178071,13.0142082)
  6. Blick vom Lieferinger Friedhof (47.8241920,13.0088193)
  7. Blick von der Sky Bar Hotel „Cool Mama“,Autobahnabfahrt Messezentrum, Liefering, (47.8276781,13.0243959)
  8. Blick vom Salzachsee, Liefering  (47.8369729,13.0196756)
  9. Blick von Maria Plain (47.8384245,13.0398015)
  10. Blick von der Landstraße/Vogelweiderstraße, Sam (47.8258377,13.0550180)
  11. Blick vom Bahnsteig, Hauptbahnhof, Elisabethvorstadt (47.8118346,13.0449028)
  12. Blick aus der Siebenstädterstraße, Nähe Kreuzung Ignaz -Harrerstraße, Lehen (47.8116682,13.0332261)
  13. Blick aus der Panoramabar, Stadtbücherei, Lehen (47.8133317,13.0273584)
  14. Blick aus der Moosstraße, Baustelle Quartier Riedenburg (47.7968821,13.0305905)
  15. Blick vom Stift Nonnberg, Nonnberggasse (47.7956106,13.0512683)
  16. Blick von Anif/Hellbrunn, Keltenallee (47.7609121,13.0551000)
  17. Blick von der Tauernautobahn bei Urstein/Anif (47.7320707,13.0801876)
  18. Blick von der Autobahn A8 bei Aufham/Bad Reichenhall (47.7742289,12.8878795)
  19. Blick von der Therme Bad Vigaun (47.6691747,13.1321359)
  20. Blick von Berchtesgaden, Obersalzbergstraße (47.6399944,13.0592258)